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„erschrecklicher schöner gottesdienst“ – Am Pfingstsonntag vor 210 Jahren haben die Augustinerchorherren im Stift St. Mauritius ihren letzten feierlichen Gottesdienst gefeiert und anschließend Heidenfeld für immer verlassen. Hintergrund: Durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 fiel das Augustinerchorherrenstift unter die Säkularisation. Der Historische Verein hat diese Zäsur erforscht und Stefan Menz sie zusammengefasst.

Bis heute gilt die Säkularisation als eine der größten Umbrüche in der bayerischen Geschichte. Die „Verweltlichung“ des Kirchenguts war vom bayerischen Minister Montgelas geplant worden. Auslöser für die Enteignung waren die militärischen Siege von Napoleon: Die von Frankreich besetzten linksrheinischen Besitztümer deutscher Territorialherren gingen endgültig an Frankreich. Als Entschädigungsausgleich dafür wurden den weltlichen Reichsfürsten die kirchlichen Reichsstände rechts des Rheins zugeschlagen. Fast alle Klöster wurden daraufhin aufgelöst. Auch in Unterfranken.

Mit der Säkularisation ging es noch einen Schritt weiter. Im Reichsdeputationshauptschluss wurde festgelegt, dass die Gebäude und Güter der 1803 aufgehobenen Stifte, Abteien und Klöster der Verfügungsgewalt der Landesherren unterstellt werden.

Dieses Schicksal erfuhr auch das 1069 gegründete Augustiner-Chorherrenstift Heidenfeld. Friedrich Karl von Thürheim ersteigerte das Stift für 102 500 Gulden und tauschte es gegen die Hofmark Staufen in Schwaben. Der Wald ging an die Fürstenfamilie Thurn und Taxis.

Am 19. Mai 1803 feierten die Chorherren ihren letzten Gottesdienst in der Stiftskirche. Darüber schreibt der Röthleiner Bauer Johann Wechter wehmütig in sein Tagebuch: „ . . . der Probst hat das letzte Hohe Ambt gehalten und Pater Bernet hat die Predigt gehabt . . . es war ein so erschrecklicher schöner gottesdienst.“ Am 20. Mai 1803 verließen fast alle der 20 Mönche mit ihrem weißen Chorrock und dem bekannten auffälligen violettblauen Mantel Heidenfeld für immer. Der letzte Propst, Pater Mauritius Schmidt zog mit seinem Mitbruder Pater Simon Kuhnmünch nach Grafenrheinfeld. Die Seelsorgearbeit der Mönche übernahm nun Pater Dr. Bernhard Breunig, der zum ersten Pfarrer der Pfarrei Heidenfeld ernannt wurde.

Ein paar Wochen nach dem Auszug der Chorherren wurden viele Gegenstände aus dem Kloster verkauft, versteigert oder zerstört. Wertvolle Dokumente gelangten nach München oder Würzburg. Der Hochaltar der Stiftskirche steht heute in der evangelischen Kirche St. Johannis in Schweinfurt, das Altarbild gelangte nach München, andere sakrale Gegenstände finden sich in den Pfarrkirchen von Heidenfeld, Hirschfeld und Wipfeld, die Ölbilder mit Weihnachtsdarstellungen in der ehemaligen Filialkirche in Gernach.

Die Stiftskirche wurde eingerissen, die kostbare Einrichtung und das Mobiliar der Bibliothek aus den Händen des berühmten Wiesentheider Kunstschreiners Johann Georg Neßtfell nach Amerika verkauft. Die wertvollen Bände und Bücher finden sich heute in vielen Bibliotheken auf der ganzen Welt, aber auch in Dettelbach, Münnerstadt und Würzburg.

1901 kauften schließlich die Erlöserschwestern das Anwesen: Bis heute dient es ihnen als Konvent, Altersruhesitz und Pflegeheim.

Josef Schäfer

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