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Vortrag von Dr. Dominik Schindler aus Kaiserslautern (Bistum Speyer) – am 24.10.2018 im Festsaal des Klosters Maria Hilf in Heidenfeld„Die Stimme der Zeit ist die Stimme Gottes“Historisch betrachtet herrscht ein Geben und Nehmen, zwischen den Bistümern Speyer und Würzburg: Gerade wurde mit Franz Jung ein „Speyerer“ zum Würzburger Bischof geweiht. 1910 ging der „Heidenfelder Bäckersjunge“ und Straßburger Professor Michael Faulhaber den umgekehrten Weg: Der als volksnah, fleißig und geistig rege geltende Priester, 1892 in Würzburg geweiht, erhielt den Bischofsstab im damals bayrischen „Außenposten“ links des Rheins.

Faulhabers Gönner, Kultusminister Anton von Wehner, war der Meinung, dass sich Franken besser in die Pfälzer Mentalität einfühlen könnten als Altbayern: „Ich hoffe, dass es in Anbetracht des neuen Würzburger Bischofs auch umgekehrt geschieht“, scherzt Dr. Dominik Schindler, Kirchenhistoriker aus Speyer, im Festsaal des Klosters Heidenfeld.

Der 31 Jahre junge Geistliche hat über die wenig bekannte Speyerer Zeit Faulhabers promoviert, vor dessen Erhebung zum Erzbischof von München und Freising 1917. Den Kardinalshut erhielt er vier Jahre später. Am 5. März 2019 jährt sich nun Faulhabers Geburtstag zum 150. Mal. Auch im Geburtsort soll gefeiert werden, sagt Stefan Menz, bei der Begrüßung als Vorsitzender des Historischen Vereins. Geplant ist eine Elsassfahrt mit Stationen in Straßburg, Oberbronn, Speyer. Am 24. Mai wird Dr. Peter Pfister über die Münchner Zeit Faulhabers berichten, als ehemaliger Leiter des Erzbischöflichen Archivs.

Wurzeln in Heidenfeld

In Heidenfeld, wo der markante Kirchenobere Wohltäter der Erlöserschwestern wie des Dorfs war, etwa beim Bau der Wasserleitung, ging es um die Vorgeschichte. „Facettenreich“ sei Faulhaber gewesen, so Schindler: Drittes von sieben Kindern des Bäckermeisters Michael Faulhaber, „letzter, ungekrönter König Bayerns“, Vorkämpfer der Frauen in der Kirche, monarchisch geprägter Konservativer, pflichtschuldiger, rasch distanzierter Gratulant des Reichskanzlers und „Quasimonarchen“ Hitler.

Der 1952 verstorbene Kardinal (Wahlspruch: „Die Stimme der Zeit ist die Stimme Gottes“) habe alle Umbrüche zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik miterlebt. Er sei, so Schindlers These, dabei in erster Linie Theologe und spirituelle Persönlichkeit gewesen, kein Politiker. Anton von Wehner hat der Spross des Schweinfurter Celtisgymnasiums allerdings als Gutachter und „Bischofsmacher“ beraten (bei Satiriker Ludwig Thoma war der Minister Adressat der „göttlichen Ratschläge“ eines Engels Aloisius, in der Urfassung des „Münchners im Himmel“). Faulhaber vergaß den Wittelsbachern nie, dass ihm Prinzregent Luitpold am Sarg von Margarete Faulhaber kondoliert hatte. Als Bischof hatte er seine Mutter in Heidenfeld in ihren letzten Lebenswochen begleitet, mit der anrührenden Notiz am 23. November 1911, dem Todestag: „Lieb Heimatland ade, R.I.P.“.

Wider den Antisemitismus

Der Alttestamentler war zudem Freund des Judentums, geißelte „Ritualmord-Märchen“ ebenso wie das „Verwerfliche des Antisemitismus“. Die Münchner Räterepublik 1919 galt ihm als „Regierung von Jehovas Zorn“, sein Eid auf den König war heilig. Am ruhigen Oberrhein hatte Faulhaber es zunächst nur in seinem „Pfälzer Weinberg“ mit Roten zu tun, wie er den neuen Arbeitsplatz nannte. Die Studenten mochten den bis dato jüngsten Bischof Deutschlands, es gab 600 Glückwunschtelegramme, 1000 Hörerinnen drängten sich zur Antrittsrede beim Frauenbund.

1913, auf dem Katholikentag in Metz, tadelte er den Kulturkampf im protestantisch-preußisch geprägten Kaiserreich: „Gottes Wort lässt sich nicht an die Kette legen“, mahnte der Redner und beklagte das „Metermaß des Heiligen Bürokratius“. Die Menge jubelte, Reichskanzler Bethmann-Hollweg zeigte sich pikiert. Mit Ludwig III. verstand sich Faulhaber besser, anlässlich eines Besuchs des Bayernmonarchen zeichnete er die Sitzordnung ins Tagebuch. Gottesgnadentum war für ihn schlicht Teil der göttlichen Weltordnung.

Das Kriegselend war ihm bewusst

Als caritativ tätiger Bischof und Militärseelsorger habe er um das Kriegselend gewusst, stellt der Referent auf Nachfrage fest, schon im August 1914 von „kommenden Massengräbern“ geschrieben. Sein Ziel sei „ehrenvoller Frieden“ gewesen, der Weltkrieg sollte beweisen, das Katholiken vollwertiger Bestandteil des Reiches seien. Dem Geschehen entrückt fühlte sich der zwischenzeitlich geadelte Michael von Faulhaber nie. Während sein Amtsvorgänger in München Frontsoldaten als „liebe Kinder“ tituliert hatte, sprach der ehemalige Wehrpflichtige und (Vize-)Feldprobst von „Kameraden“. Für Schindler wurde Faulhaber stark vom Konzept der „Vorsehung“ des Reformtheologen Hermann Schell beeinflusst: nicht im trivialen Sinn Hitlers, sonders als Gottvertrauen bei allen Herausforderungen der Zeit.

Uwe Eichler, Schweinfurter Tagblatt, 28.10.2018

Fotos: Uwe Eichler

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