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Gedenkabend in Heidenfeld: 70. Jahrestag der alliierten Bombenangriffe vom 24. und 25. Februar 1944 – Unter dem Namen „Big Week“ (große Woche) fand vor 70 Jahren eine Serie alliierter Luftangriffe gegen Betriebe der deutschen Rüstungsindustrie statt. Am 24. und 25. Februar 1944 erfolgte ein kombinierter Angriff auf Schweinfurt und seine Kugellagerindustrie. Einem Bombardement am frühen Nachmittag von amerikanischen Verbänden folgten nachts zwei weitere der englischen Royal Air Force. Diese Taktik wurde von den Alliierten als „Double Blow“ (Doppelschlag) bezeichnet. Die Leuchtkörper zur Markierung der Ziele – sie hießen im Volksmund Christbäume – waren weit über Schweinfurt hinaus zu sehen. Besonders stark betroffen waren die Ortschaften südlich von Schweinfurt.

Auch die Ortsteile der Großgemeinde Röthlein (Heidenfeld, Hirschfeld und Röthlein) erlebten damals ihr traumatisches Kriegserlebnis. Alleine auf Heidenfeld fielen 50 Sprengbomben und 1550 Stabbrandbomben.

„Diese Nacht hat sich eingeprägt in unsere Ortsgeschichte wie keine andere“, sagt Stefan Menz, Vorsitzender des Historischen Vereins Heidenfeld, der zum Gedenken an die alliierten Bombenangriffe zu einem Gedenkabend in die Mehrzweckhalle eingeladen hatte. Das Interesse der Bevölkerung war mit rund 200 Besuchern riesig.

Zeitzeugen kamen zu Wort

Zeitzeugen, die die Angriffe als Kinder oder Jugendliche erlebt hatten, kamen zu Wort. Darüber hinaus verschafften Zeitzeugenberichte aus der Klosterchronik und der Chronik der Feuerwehr einen Eindruck über die Ängste und Nöte in dieser minus 13 Grad kalten Kriegsnacht.

Schwester Rosita und Schwester Bettina aus dem Kloster Maria Hilf lasen in Auszügen aus der Klosterchronik vor. Verschont bleiben die Heidenfelder Erlöserschwestern im Keller des Klosters vom ersten Tagesangriff der Amerikaner. Aber „Schweinfurt brennt!“, das verhießen die dicken grauen Rauchschwaden. Keiner erahnte, dass die feindlichen Flieger noch einen zweiten und dritten Angriff geplant hatten. Voller Zuversicht begab man sich zu Bett, bis um halb elf Uhr entsetzliches Flakschießen alle aus dem Schlaf riss.

Angst, Verzweiflung und das Gräuel der Verwüstungen, aber auch die Hoffnung, die Gefahr überstanden zu haben, werden in dem Vortrag spürbar. Mehrere kleinere Brände, vom Druck herausgerissene Türen und Fenster, Mörtel und Mauerwerk liegen herum und der kalte Nordwind fegt durch die hohlen Räume, schrieb die Chronistin damals. „Wir sehnten uns nach dem warmen Bett. Die Kranken wurden zurückgebracht. Welch erschütterndes Erleben, als wir das ganze Dorf in ein Flammenmeer getaucht sahen. Auch unsere große Scheune mit dem eingemauerten Schweinestall stand in Flammen“, heißt es weiter.

Am Ende mussten nach schwierigen Löscharbeiten (die Wasserleitungen waren eingefroren) 400 Schafe den Feuertod erleiden. Die Anstaltsschwestern kamen unbeschadet davon. Dagegen wurde das Schwesternhaus in Hirschfeld stark mitgenommen. Die Schwesternwohnung in Röthlein blieb unbeschädigt, die Schwestern in Grafenrheinfeld aber konnten in ihrem Haus nicht mehr wohnen. Die Bergrheinfelder Schwestern hatten Tür- und Fensterschäden zu beklagen.

Der Bericht des Schriftführers der Freiwilligen Feuerwehr, Klemens Möhring, liest sich nüchterner. „Es brannten ab: 13 Wohnhäuser mit sämtlichen Nebengebäuden, 63 Scheunen und über 80 Hallen und noch viele Nebengebäude, darunter auch die große Schlossscheune, in welcher 400 Schafe des Schäfereibesitzers Gaub zur Gänze verbrannten.“ Im Dorf selbst kamen viele Tiere um. Während die Feuerwehr und die Leute beim Löschen waren, erfolgte der zweite Fliegerangriff, dem der Pfarrhof zum Opfer fiel. Die Löscharbeiten waren erschwert, da ein geschlossenes Pumpen nicht möglich war. „Viele Leuten löschten mit Mistjauche“, schreibt Klemens Möhring. Die Feuerwehr aus Gernach kam gegen 3 Uhr morgens und brachte Wasser zum Löschen mit. Am anderen Tag war großer Futter- und Strohmangel. Nachbargemeinden halfen aus. Jungvieh wurde nach Gernach, Kolitzheim, Unterspiesheim, Zeilitzheim und Herlheim gebracht und dort unentgeltlich gefüttert, bis es wieder Grünfutter gab. Als Zeitzeugen schilderten Martha Christ, Anna Dülg (Garstadt), Erich Krenzer, Rita Krenzer (Grafenrheinfeld), Schwester Rosita Heim (Grafenrheinfeld), Altbürgermeister Fritz Roßteuscher (Schwebheim) und Ruhestandspfarrer Dieter Schorn (Schweinfurt), wo sie als Kinder oder Jugendliche die Bombenangriffe erlebt hatten.

Allein im Keller mit dem Bruder

Martha Christ erinnert sich, dass man nach den Angriffen aus dem Keller kam und die Nachbarn mit der Frage „Lebt ihr noch“ begrüßte. Erich Krenzer erzählt davon, wie man die toten Schafe und Bullen in Bombentrichtern vergrub. Anna Dülg erinnerte sich, wie man ihren Vater drei Tage lang in Schweinfurt suchte und schließlich tot fand. Schwester Rosita Heim musste den Angriff als Siebenjährige alleine mit ihrem kleinen Bruder auf einem Bänkchen sitzenden im Keller verbringen. Die Mutter half beim Löschen von Bränden nach den ersten Angriffen. Fritz Roßteuscher erzählt vom Scheinflughafen, den die deutsche Wehrmacht bei Schwebheim angelegt hatte. Pfarrer Dieter Schorn erläuterte Hintergründe des Überraschungsangriffs auf Schweinfurt.

In der Abschlussmeldung des Befehlshabers der Ordnungspolizei ist zu lesen: „Am schwersten wurde die Gemeinde Grafenrheinfeld in Mitleidenschaft gezogen: Diese Gemeinde ist zu 90 Prozent vernichtet. Große Schäden erlitten auch die Gemeinden Schwebheim, Röthlein, Heidenfeld, Garstadt, Hergolshausen und Bergrheinfeld. Im Gegensatz zu Heidenfeld, wo keine zivilen Opfer beklagt werden mussten, hatten die Nachbardörfer weniger Glück. In Grafenrheinfeld fanden sieben Männer, zehn Frauen, sieben Knaben, acht Mädchen und ein russischer Kriegsgefangener den Tod. Verwundete: 24. In Röthlein fielen ein Wehrmachtsangehöriger sowie zwei russische Kriegsgefangene.“

Hinweis: Nachzulesen sind die Zeitzeugenberichte im ersten Band der Geschichtsblätter aus der Großgemeinde Röthlein, der beim Historischen Verein zum Preis von 3 Euro erhältlich ist.

 Ruth Volz

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