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Weitab von „buckliger Frömmigkeit“ – Im idyllischen Kloster erinnerte eine Feierstunde an einen vor sehr langer Zeit verstorbenen Mann: Liborius Wagner, geboren am 5. Dezember 1593 in Mühlhausen in Thüringen, gestorben am 9. Dezember 1631 in Schonungen. Er war vor 40 Jahren in Rom seliggesprochen worden. Eine Delegation von über 3000 unterfränkischen Christen war damals aus diesem Anlass zum Petersdom gereist.

So erinnerte man sich an zweierlei: Zuerst an Liborius Wagner, der ein Mann des Geistes gewesen war. Er studierte in Leipzig, Gotha und Straßburg die Freien Künste, darunter verstand man im 17. Jahrhundert das Wissen über Sprache, Logik, Mathematik, Philosophie, Astronomie und Geschichte.

Nach seinem Magisterabschluss gelang es ihm nicht, in seiner Heimatstadt Lehrer zu werden. Im Jahr 1622 ging er nach Würzburg und studierte katholische Theologie. Er konvertierte und wurde im Alter von 32 Jahren zum Priester geweiht. Im Jahr 1626 erhielt er die Pfarrstelle in Altenmünster, zu der auch Sulzdorf gehörte.

Damals gab es keine Toleranz zwischen Protestanten und Katholiken. Der adlige Dorfherr bestimmte die protestantische Religion der Gemeinde Altenmünster, in Sulzdorf dagegen lebten fast nur Katholiken. Da mussten sich Protestanten vom „fremden“ Pfarrer taufen lassen, da durften diese jedoch nicht in „geweihter Erde“ begraben werden, da musste der Pfarrer neben seinem Gott auch noch den weltlichen Herren dienen.

Wagner bemühte sich um den Ausgleich der Konfessionen und konnte es dabei wohl niemandem recht machen. Ein unglückliches Leben muss das gewesen sein. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Wagner gefangen genommen und nach Burg Mainberg verschleppt. Dort wurde er fünf Tage lang gefoltert, damit er vom katholischen Glauben wieder abfalle – er weigerte sich. Seinen Leichnam warf man in den Main. Mit dem Wiedererstarken des Katholizismus nach der schwedischen Niederlage gelangte Wagner schnell in den Ruf, ein Märtyrer zu sein. Seine Gebeine ruhen heute in der Pfarrkirche von Heidenfeld.

Generalvikar Karl Hillenbrand wies in seinem Vortrag darauf hin, wie Liborius Wagner heute noch relevant sein kann. Gerade in unruhigen Zeiten könnten Geradlinigkeit, Gewissenstreue und Gottvertrauen hilfreich sein für den eigenen Weg. Dabei könnten Veränderungen und Ungewissheiten besser ausgehalten werden, wenn sie von einem tiefen Grundvertrauen begleitet sind, sagte Hillenbrand. Gewissen sei nie nur individuell, sondern grundlegend mit Verantwortung verbunden, und gerade deshalb müsste christliche Gewissenserforschung unter der Frage stehen: „Wo grenze ich einzelne oder ganze Gruppen aus meiner Zuwendung aus, weil ich mich mit ihnen schwer tue?“

Liborius Wagner habe, obwohl er ausgerüstet gewesen sei mit überdurchschnittlicher Bildung, auf seiner kleinen Pfarrstelle auch in aussichtsloser Lage seine Seelsorge betrieben, sagte Hillenbrand. Dies erschließe sich nur aus einer „radikalen Haltung des Vertrauens“, die weitab von buckliger Frömmigkeit gewesen sei. Hierin könnte der seliggesprochene Wagner auch heute noch von Bedeutung sein.

Stefan Menz, Vorsitzender des historischen Vereins zeigte zahlreiche Bilder der Seligsprechung in Rom am 24. März 1974, die eindrucksvoll die Zeit widerspiegelten. Unter anderem hatte Hans Heer, ehemaliger Fotograf des Fränkischen Volksblattes sein Archiv zur Verfügung gestellt. Manche der Gäste konnten sich selbst oder auch bekannte Gesichter entdecken. Eine ganze Woche feierte Heidenfeld das Jubiläum der Seligsprechung Liborius Wagners, dessen Gebeine in der Pfarrkirche ruhen.

Mainpost :  Charlotte Wahler

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